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ADNEXPROZESSE

Was bedeutet Adnexprozess?

Adnexprozesse werden meist durch auftretende Beschwerden oder im Rahmen von Routineuntersuchungen, z.B. mittels transvaginalem Ultraschall, entdeckt. Meist handelt es sich um bei Adnexprozessen um Zysten des Eierstocks (Ovar), also mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräumen. Seltener handelt es sich um solide, also feste Tumore oder einer Mischung aus zystischen und soliden Veränderungen. Auch eine Eileiterschwangerschaft (Tubaria) kann sich als Adnexprozess darstellen.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter sind Adnexprozesse häufig und entstehen meist als Nebenprodukt der Produktion von Hormonen und Eibläschen im Eierstock. Diese funktionellen Zysten sind als „physiologischen Variante“ der Eierstockaktivität zu betrachten und verschwinden meist selbstständig nach einigen Menstruationszyklen. Bleiben Adnexprozesse  bestehen, weisen sie auffällige Characteristika im Ultraschall auf oder lösen sie Schmerzen aus, so bedürfen sie einer weiteren Abklärung. 

Bei Frauen nach der Menopause (Wechsel) sind Adnexprozesse deutlich seltener und eine „physiologische Variante“ auf Grund der Inaktivität des Eierstocks unwahrscheinlicher. Bei bestehenden Adnexprozessen in der Postmenopause sollte daher immer eine genaue Abklärung durchgeführt werden. 

THERAPIEPLANUNG

Je nach Beschwerdebild (Symptomen), Alter der Patientin und dem Erscheinungsbild des Adnexprozesses im transvaginalen Ultraschall kann oft schnell die genaue Lokalisation und Art der Veränderung eingeschätzt werden. Viele, vor allem zystische Adnexprozesse, weisen ein ganz typisches Ultraschallbild auf, welches bei entsprechender Expertise eine „Blickdiagnose“ zulässt (u.a. Endometriosezyste, Dermoidzyste, Corpus Luteum Zyste, hämorrhagische Zyste). In anderen Fällen bedarf es weiterführender Untersuchungen, wie beispielsweise einer Blutabnahme zur Bestimmung gewisser „Tumormarker“, einer Harnprobe oder einer weiteren Bildgebung (z.B. MRT- oder CT-Untersuchung).

In vielen Fällen kann ein zuwartendes Management angeboten werden, wie beispielsweise eine Kontrolle mittels transvaginalem Ultraschall einige Wochen oder Monate nach der Erstdiagnose. Eine operative Therapie ist bei ausgeprägten Beschwerden oder einem suspekten Erscheinungsbild im Ultraschall notwendig.

WELCHE OPERATIVEN THERAPIEOPTIONEN GIBT ES?

Ist eine operative Therapie erforderlich, so kann diese meist mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) erfolgen. Die Art des Adnexprozesses und das Alter der Patientin sind die ausschlaggebenden Faktoren, ob eine Eierstock erhaltende Operation (z.B. Zystenausschälung) durchgeführt werden kann oder ob der Eierstock und die Tube (Adnexe) entfernt werden müssen.

Bei Frauen nach der Menopause, bei welchen der Eierstock nicht mehr aktiv ist, wird meist eine Adnexektomie (Entfernung von Eierstock und Eileiter) durchgeführt. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird eine sogenannte Zystenausschälung und damit der Erhalt des Eierstocks angestrebt. Dadurch soll die hormonelle Funktion des Eierstockes und die Fertilität optimal erhalten werden. Endometriosezysten, im Volksmund auch Schokoladezysten genannt, nehmen hier eine besondere Rolle ein, da deren operative Entfernung oft herausfordernd ist und bei fehlender Expertise die Eierstöcke beschädigt werden können. Zusätzlich steigt bei inkompletter Entfernung der Zysten das Risiko des Wiederauftreten (Rezidivrisiko) deutlich an, was manchmal weitere Operationen nach sich zieht, welche den Eierstock und damit die ovarielle Reserve weiter schädigen können. 

Die Therapieplanung ist daher auch vor dem Hintergrund der Familienplanung zu betrachten. Nach Zusammenschau der bei der Abklärung erhobenen Befunde, den jeweiligen Symptomen, und den Bedürfnisse der betroffenen Frau kann das individuelle Vorgehen besprochen werden.